Nachbar füttert Tauben: Was können Sie tun?
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Jeden Morgen gurren sie auf der Dachrinne, Ihr Balkon ist voller Kot, und die Wäsche hängen Sie lieber nicht mehr draußen auf. Ihr Nachbar füttert Tauben, und aus einem lästigen Problem wird schnell ein Konflikt. Er meint es gut, Sie tragen die Folgen. In diesem Artikel lesen Sie, warum die Tauben immer wiederkommen, wie Sie das Thema mit Ihren Nachbarn besprechen, was Sie erbitten können und welche Regeln in Deutschland gelten.

Warum die Tauben immer wiederkommen
Tauben gehen dorthin, wo es Futter und einen sicheren Platz gibt. Ein paar Handvoll Brot oder Körner auf dem Balkon oder im Garten reichen, damit sich ein fester Schwarm einstellt. Auch Futter, das eigentlich für andere Vögel gedacht ist, etwa ein Futterhaus oder Meisenknödel, lockt Tauben an.
Wer Tauben füttert, sieht meist vor allem die schöne Seite: Tiere, die sich freuen und angeflogen kommen. Dass der Kot zwei Balkone weiter landet oder die Tauben bei Ihnen unter der Solaranlage nisten, bemerken die Nachbarn oft nicht. Sie tun es nicht, um Sie zu ärgern.
Zeigen Sie zuerst Verständnis
Füttern entsteht häufig aus Tierliebe oder ist für jemanden, der viel allein zu Hause ist, ein Stück Gesellschaft. Erkennen Sie das an und erzählen Sie, was es für Sie bedeutet. Zum Beispiel:
„Ich sehe, dass Sie die Vögel füttern, und ich verstehe, dass Ihnen das Freude macht. Seit einiger Zeit sitzen aber viele Tauben auf unserem Balkon, und alles ist voller Kot. Könnten wir gemeinsam überlegen, ob sich beim Füttern etwas ändern lässt?“
Sind Sie nicht sicher, ob die Tauben wirklich wegen des Futters kommen? Dann fragen Sie nach, statt es zu behaupten.
Was Sie konkret erbitten können
Beginnen Sie mit einem kleinen, machbaren Schritt. Zum Beispiel:
Weniger oder gar nicht mehr streuen. Vor allem lose Brotreste oder Körner auf dem Boden oder Balkon ziehen Tauben an.
Futter, an das Tauben nicht herankommen. Ein Futterspender für kleine Singvögel, an dem Tauben nicht fressen können.
Reste wegräumen. Liegengebliebenes Futter lockt Tauben und auch Ratten an, besonders nachts.
Gemeinsam vorbeugen. Fragen Sie, ob Sie beide über ein Netz oder eine Abwehr nachdenken möchten, damit die Tauben nicht einfach zum nächsten Balkon umziehen. In Mietshäusern ist dafür oft die Zustimmung des Vermieters nötig.
Vereinbaren Sie, nach ein paar Wochen zu schauen, ob sich etwas verändert hat. Tauben brauchen eine Weile, bis sie sich umgewöhnen.
Welche Regeln gelten?
Viele deutsche Städte verbieten das Füttern von Tauben in einer Polizei- oder Gefahrenabwehrverordnung, oft für öffentliche Flächen und manchmal auch für private Grundstücke. Stuttgart etwa verhängt für das Füttern auf öffentlichen Grün- und Freiflächen zunächst ein Bußgeld von 35 Euro und im Wiederholungsfall deutlich mehr. Ob und wo bei Ihnen ein Verbot gilt, erfahren Sie beim Ordnungsamt oder auf der Website Ihrer Stadt.
Daneben gilt das Nachbarrecht. Wer Tauben gezielt anlockt und dadurch das Nachbargrundstück wesentlich beeinträchtigt, kann nach §§ 906 und 1004 BGB auf Unterlassung in Anspruch genommen werden. In Mietshäusern können auch Mietvertrag und Hausordnung das Füttern vom Balkon regeln, in Eigentumsanlagen die Hausordnung der Gemeinschaft. Dies ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Für Ihren Fall können Sie sich an einen Mieterverein, die Verbraucherzentrale oder Ihre Stadt wenden.
Halten Sie fest, wann es vorkommt
Bleibt es auch nach dem Gespräch dabei? Dann führen Sie einige Wochen ein Protokoll: Datum, Uhrzeit, was Sie gesehen haben (wie viele Tauben, ob gefüttert wurde) und die Folge, etwa ein verschmutzter Balkon oder zusätzliche Reinigung. Ein Foto vom Kot auf Ihrem eigenen Balkon ist in Ordnung. Fotografieren Sie nicht Ihre Nachbarn oder in deren Wohnung oder Garten, und verbreiten Sie keine Vorwürfe in einer Nachbarschaftsgruppe. Entfernen Sie auch niemals selbst Futter bei Ihren Nachbarn.
Aus der Praxis
Tauben auf dem Nachbardach. Eine Hauseigentümerin in Hannover pflegte verletzte Wildtauben in Volieren auf ihrer Terrasse und fütterte zusätzlich Vögel. Ihr Nachbar klagte über Kot, Lärm und Tauben auf Dach, Balkon und im Garten. Das Amtsgericht Hannover entschied 2023, dass sie das Anlocken verwilderter Tauben unterlassen muss; ihre tierschützerischen Motive änderten daran nichts (Quelle). Fazit: Gute Absichten schützen nicht vor den Folgen für die Nachbarn, ein Gespräch über das Wie hilft aber oft schon.
Ein Fütterungsverbot hält vor Gericht stand. Die Stadt Emsdetten verbietet seit 2019 das Füttern von Tauben. Das Verwaltungsgericht Münster bestätigte 2025 das Verbot und eine Anordnung gegen einen Mann, der in der Innenstadt regelmäßig fütterte. Das Gericht sah den Tierschutz gewahrt, weil das Verbot eine unkontrollierte Vermehrung verhindert und Maßnahmen wie den Austausch von Eiern unterstützt (Quelle). Das kann auch Nachbarn beruhigen, die sich Sorgen machen, dass die Tauben ohne sie hungern.
Wenn Sie sich nicht einigen
Schicken Sie zuerst eine zweite, ruhige Nachricht, die an Ihr Gespräch anknüpft. Danach kann ein Schiedsamt oder eine Nachbarschaftsmediation helfen. Vermieter, Hausverwaltung oder WEG-Verwaltung können Bewohner ansprechen und manchmal bei der Taubenabwehr am Gebäude unterstützen. Gilt in Ihrer Stadt ein Fütterungsverbot, ist das Ordnungsamt die richtige Stelle.
Eine ruhige erste Nachricht
Mit dem CalmNotes-Paket zu Tauben erhalten Sie bearbeitbare Beispielnachrichten, um das Füttern und die Folgen freundlich anzusprechen, eine Folgenachricht, falls sich nichts ändert, und ein Excel-Protokoll. Weitere Pakete finden Sie unter Deutsche Pakete.
Wählen Sie einen passenden nächsten Schritt
Kostenloses Protokoll — Halten Sie Ereignisse, Kontakte und Absprachen fest.
Unterlagen und Hilfsanfrage vorbereiten — Ordnen Sie Ihre Informationen und bereiten Sie eine Hilfsanfrage vor.
Passende Unterstützung finden — Erfahren Sie, wer Ihnen in Ihrer Situation helfen kann.



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