Regenwasser vom Nachbargrundstück: Was können Sie tun?
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Man merkt es erst, wenn es regnet: Das Fallrohr der Nachbarn endet auf Ihren Platten, die Rinne an ihrem Schuppen hat keinen Ablauf, oder seit dem neuen Anbau oder der neuen Pflasterung läuft das ganze Wasser zu Ihnen. Nach jedem Schauer steht eine Pfütze an Ihrem Schuppen und die Wand wird nass. Für Ihre Nachbarn ist alles in Ordnung; bei ihnen ist es trocken. In diesem Artikel lesen Sie, was Sie vorschlagen können und wie Sie es ruhig ansprechen.

Warum Regenwasser vom Nachbarn so lange unbemerkt bleibt
Wasser läuft immer zum tiefsten Punkt, und der liegt manchmal knapp hinter der Grundstücksgrenze. Ein Fallrohr, das früher in ein Beet mündete, entwässert nach einem Umbau plötzlich auf eine Terrasse. Eine neue Pflasterung mit etwas anderem Gefälle schickt das Wasser zum Nachbarn statt zur Straße. Und ein Anbau oder Schuppen nahe der Grenze hat oft ein Dach, das zur falschen Seite entwässert.
Häufige Folgen sind:
Pfützen und Matsch. Eine Terrasse oder ein Weg, der nach jedem Schauer stundenlang nass bleibt.
Feuchtigkeit in Schuppen oder Wand. Wasser, das an einer Mauer steht, zieht ins Mauerwerk.
Abgestorbene Pflanzen. Beete, die zu lange unter Wasser stehen.
Ein absackender Weg. Platten, die sich neigen, weil der Sand darunter ausgespült wird.
Sprechen Sie es freundlich an
Gehen Sie davon aus, dass Ihre Nachbarn es nicht wissen. Von ihrem Garten aus sieht alles normal aus, und bei trockenem Wetter ist nichts zu sehen. Beschreiben Sie, was Sie auf Ihrer Seite sehen, sagen Sie ehrlich, dass Sie die Ursache nicht sicher kennen, und bitten Sie darum, gemeinsam zu schauen:
„Beim Regen gestern lief das Wasser von Ihrem Fallrohr über unsere Terrasse bis zum Schuppen. Von Ihrer Seite sehen Sie das bestimmt nicht. Wollen wir beim nächsten Schauer gemeinsam schauen, woher es kommt?“
Laden Sie Ihre Nachbarn ein, bei Regen vorbeizukommen. Hantieren Sie nicht selbst an ihrer Rinne oder ihrem Fallrohr und betreten Sie ihr Grundstück nicht ohne Erlaubnis.
Was können Sie vorschlagen und vereinbaren?
Die Lösung ist oft klein und günstig. Denken Sie an:
Das Fallrohr umlegen. Ein Bogen oder eine Verlängerung in den eigenen Garten oder zur Straßenseite.
Eine Regentonne. Mit Überlauf, der auf dem eigenen Grundstück endet.
Eine Rinne mit Ablauf. Am Anbau oder Schuppen, angeschlossen an einen Ablauf oder eine Sickerbox.
Gefälle anpassen. Ein paar Platten neu verlegen, damit das Wasser von Ihrer Seite wegläuft.
Ein Kiesstreifen. Entlang der Grenze, wo das Wasser versickern kann.
Vereinbaren Sie, wer es erledigt, bis wann und wer zahlt. Löst eine Maßnahme auch bei Ihnen etwas, können Sie anbieten, sich zu beteiligen. Prüfen Sie dann beim nächsten kräftigen Schauer gemeinsam, ob es funktioniert.
Welche Regeln gelten?
Die Nachbarrechtsgesetze der meisten Bundesländer verlangen, dass bauliche Anlagen so eingerichtet werden, dass Niederschlagswasser nicht auf das Nachbargrundstück tropft, abgeleitet wird oder übertritt; in Nordrhein-Westfalen steht das zum Beispiel in § 27 des Nachbarrechtsgesetzes unter dem Stichwort „Dachtraufe“. Wird dagegen verstoßen, können Sie Beseitigung und Unterlassung verlangen (§ 1004 BGB).
Anders ist es bei Wasser, das von Natur aus von einem höher gelegenen Grundstück abläuft: Das muss das tiefer gelegene Grundstück hinnehmen. Der natürliche Abfluss darf aber nicht zum Nachteil des Nachbarn verstärkt oder verändert werden, etwa durch Aufschüttungen oder große versiegelte Flächen (§ 37 Wasserhaushaltsgesetz). Viele Gemeinden haben zudem eigene Vorschriften zur Niederschlagswasserbeseitigung. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.
Halten Sie fest, was Sie sehen
Notieren Sie bei jedem Schauer, wann und wie lange es geregnet hat, woher das Wasser kam, wohin es lief und wie groß die Pfütze war. Machen Sie datierte Fotos und ein kurzes Video von Ihrem eigenen Grundstück aus. Schreiben Sie keine Ursache auf, die Sie nicht sicher kennen. So können Sie später ruhig zeigen, was passiert und ob eine Änderung geholfen hat.
Aus der Praxis
Auch Wasser, das man nicht sieht, kann zählen. In Rheinland-Pfalz hatte ein Eigentümer eine Halle gebaut; seitdem versickerte das Regenwasser nicht mehr großflächig auf seinem Grund, sondern gelangte vermehrt als Sickerwasser unter der Erde zum Nachbarn. Der Bundesgerichtshof entschied, dass auch solches Wasser unter das Verbot fällt, Niederschlagswasser auf das Nachbargrundstück übertreten zu lassen, und dass der Eigentümer geeignete Maßnahmen treffen muss (Urteil vom 12.06.2015, V ZR 168/14; Quelle: Rechtslupe). Fazit: Wer baut, ist für sein Regenwasser verantwortlich; wer betroffen ist, sollte es früh und konkret ansprechen.
Wenn Sie gemeinsam nicht weiterkommen
Schicken Sie einen zweiten, klaren Brief. Verweisen Sie auf Ihr früheres Gespräch und nennen Sie einige Beobachtungen aus Ihrem Protokoll.
Wenden Sie sich an das Schiedsamt. In vielen Bundesländern ist ein Schlichtungsversuch in Nachbarsachen ohnehin Pflicht vor einer Klage.
Wohnen Ihre Nachbarn zur Miete? Bitten Sie den Vermieter oder die Hausverwaltung, sich Rinne oder Fallrohr anzusehen.
Gibt es Schäden? Sprechen Sie mit Ihrer Versicherung, bevor Sie Kosten von jemandem verlangen.
Hilfe bei der ersten Nachricht
Mit dem CalmNotes-Paket zu Regenwasser vom Nachbargrundstück erhalten Sie bearbeitbare Musternachrichten, um ein Fallrohr, eine Rinne oder eine Pfütze ruhig anzusprechen, Folgenachrichten, falls sich nichts ändert, und ein Protokoll, in dem Sie festhalten, was Sie bei jedem Schauer sehen. Weitere Tipps finden Sie auf der Seite Regenwasser vom Nachbargrundstück.
Wählen Sie einen passenden nächsten Schritt
Kostenloses Protokoll — Halten Sie Ereignisse, Kontakte und Absprachen fest.
Unterlagen und Hilfsanfrage vorbereiten — Ordnen Sie Ihre Informationen und bereiten Sie eine Hilfsanfrage vor.
Passende Unterstützung finden — Erfahren Sie, wer Ihnen in Ihrer Situation helfen kann.



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