Gegenstände im Treppenhaus: So sprechen Sie Nachbarn ruhig an
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Ein Kinderwagen am Treppenabsatz, ein Fahrrad an der Wand, Kartons und ein Schuhregal vor der Wohnungstür. Gegenstände im Treppenhaus wirken harmlos, bis Sie mit Einkaufstaschen oder einem Kinderwagen vorbeimüssen. Oder bis Sie überlegen, wie Sie bei einem Brand hinauskommen. In diesem Artikel lesen Sie, warum Dinge in gemeinsamen Fluren stehen bleiben, wie Sie es ruhig ansprechen, welche Regeln gelten und was Sie tun können, wenn sich nichts ändert.

Warum stellen Nachbarn Dinge ins Treppenhaus?
Meist aus Platzmangel. Viele Wohnungen haben wenig Stauraum, der Keller ist weit weg oder voll, und der Kinderwagen passt nicht in den Aufzug. Andere sehen den Flur vor ihrer Tür als Teil der eigenen Wohnung und stellen Pflanzen, eine Bank oder einen Wäscheständer hin.
Was Nachbarn dabei oft nicht bedenken: Das Treppenhaus ist auch ein Rettungsweg. Und was für sie ein paar Dinge an der Tür sind, ist für andere ein Hindernis, besonders für Menschen mit Rollator, Rollstuhl oder eingeschränktem Sehvermögen.
Zeigen Sie zuerst Verständnis
Gehen Sie davon aus, dass Ihre Nachbarn nicht darüber nachgedacht haben. Beginnen Sie mit Ihrer Erfahrung, nicht mit einer Vorschrift. Zum Beispiel:
„Ich verstehe, dass Sie wenig Platz haben, das geht uns auch so. Aber mit den Einkäufen komme ich manchmal schlecht vorbei, und ich musste auch daran denken, wie es wäre, wenn es mal brennt. Könnten wir gemeinsam schauen, ob es anders geht?“
Was Sie konkret vorschlagen können
Verlangen Sie nicht sofort, dass alles verschwindet. Beginnen Sie klein. Zum Beispiel:
Den Durchgang freihalten. Fragen Sie, ob die Dinge so stehen können, dass genug Platz zum Vorbeigehen bleibt.
Große Dinge in Keller oder Fahrradraum. Fahrräder, Kartons und Möbel gehören meist dorthin.
Nichts an Treppe oder Ausgang. Gerade dort muss man im Notfall schnell vorbeikommen.
Nichts leicht Brennbares. Denken Sie an Kartons, Altpapier oder einen E-Roller mit Akku.
Gemeinsam eine Lösung suchen. Vielleicht gibt es im Haus einen Platz für Kinderwagen oder Rollatoren. Fragen Sie gemeinsam bei der Hausverwaltung nach.
Wählen Sie ein oder zwei Punkte und vereinbaren Sie, in ein paar Wochen noch einmal draufzuschauen.
Welche Regeln in Deutschland gelten
Treppenhäuser in Mehrfamilienhäusern sind nach den Bauordnungen der Länder Flucht- und Rettungswege und müssen im Notfall sicher benutzbar bleiben. Gegenstände dürfen sie nicht versperren. Was im Einzelnen erlaubt ist, regeln vor allem Mietvertrag und Hausordnung, in Eigentumsanlagen die Hausordnung und die Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft. Ein vollständiges Verbot, etwa für Kinderwagen, ist nach der Rechtsprechung oft unwirksam, wenn der Flur breit genug ist und niemand behindert wird. Schuhe und Schuhschränke sind dagegen auf Dauer meist nicht erlaubt.
Dies ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Wenn Sie wissen möchten, was in Ihrem Haus gilt, fragen Sie Vermieter oder Hausverwaltung. Mieter erhalten Rat beim örtlichen Mieterverein, alle anderen bei der Verbraucherzentrale.
Halten Sie fest, wann es vorkommt
Bleibt alles stehen? Dann notieren Sie einige Wochen lang, was Sie sehen. Schreiben Sie Datum, Uhrzeit, was dort stand und welche Folge es hatte, zum Beispiel dass Sie mit dem Kinderwagen nicht vorbeikamen oder der Ausgang zum Hof versperrt war. Bleiben Sie sachlich. Fotografieren Sie Ihre Nachbarn oder deren Wohnungstür nicht, und stellen Sie keine Vorwürfe in den Gruppenchat des Hauses.
Wichtig: Räumen Sie die Sachen Ihrer Nachbarn nicht selbst weg. Das führt zu Streit und kann rechtlich gegen Sie sprechen. Überlassen Sie das dem Vermieter, der Hausverwaltung oder der Behörde.
Aus der Praxis
Kinderwagen ja, Schuhregal nein. Der Berliner Mieterverein fasst die Rechtsprechung so zusammen: Nach dem Bundesgerichtshof (Az. V ZR 46/06) darf ein Kinderwagen im Hausflur stehen, wenn der Fluchtweg frei bleibt, weil Eltern ihn nicht täglich mehrere Stockwerke tragen können. Dauerhaft vor der Tür abgestellte Schuhe musste eine Mieterin in Frankfurt am Main dagegen 2022 entfernen, und auch Schuhschränke wurden von Gerichten untersagt (Quelle). Fazit: Es kommt darauf an, ob etwas nötig ist und ob der Weg frei bleibt.
Rücksicht statt Verbot. Die Stiftung Warentest beschreibt, dass zusammengeklappte Rollatoren meist im Flur stehen dürfen, Fahrräder aber verboten werden können, wenn es einen erreichbaren Fahrradraum gibt. Flucht- und Rettungswege dürfen in keinem Fall versperrt werden (Quelle). Fazit: Wer gemeinsam nach einem anderen Platz sucht, kommt oft weiter als mit dem Hinweis auf eine Regel.
Wenn Sie gemeinsam nicht weiterkommen
Eine zweite Nachricht. Wiederholen Sie Ihre Bitte ruhig und nennen Sie einige Einträge aus Ihrem Protokoll.
Vermieter, Hausverwaltung oder WEG-Verwaltung. Sie sind für die gemeinsamen Flächen zuständig und können Bewohner auf die Hausordnung hinweisen.
Schlichtung oder Mediation. Ist die Stimmung angespannt, hilft ein Schiedsamt oder eine Nachbarschaftsmediation, Absprachen zu finden.
Bauaufsicht oder Feuerwehr. Bleibt ein Rettungsweg dauerhaft versperrt, können Sie sich an die Bauaufsichtsbehörde oder den vorbeugenden Brandschutz der Feuerwehr wenden. Bei einem Brand oder akuter Gefahr wählen Sie 112.
Hilfe für die erste Nachricht
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Wählen Sie einen passenden nächsten Schritt
Kostenloses Protokoll — Halten Sie Ereignisse, Kontakte und Absprachen fest.
Unterlagen und Hilfsanfrage vorbereiten — Ordnen Sie Ihre Informationen und bereiten Sie eine Hilfsanfrage vor.
Passende Unterstützung finden — Erfahren Sie, wer Ihnen in Ihrer Situation helfen kann.



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