Nachbar übt ein Musikinstrument: So finden Sie gemeinsame Übungszeiten
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Wer in der Nachbarschaft Klavier, Schlagzeug oder Trompete übt, pflegt meist einfach ein Hobby oder bereitet sich auf eine Prüfung vor. Trotzdem kann es bei Ihnen deutlich ankommen, vor allem wenn es jeden Tag zur selben Zeit passiert und Sie immer wieder dieselbe Tonleiter oder denselben Rhythmus hören. Mit guten Absprachen lassen sich Musizieren und ruhiges Wohnen meist gut vereinbaren. In diesem Artikel lesen Sie, warum Üben so weit trägt, was Sie vereinbaren können und wie Sie es freundlich ansprechen.

Warum man das Instrument der Nachbarn so gut hört
Wer übt, hört vor allem das eigene Spiel und achtet auf die Töne, nicht darauf, was durch die Wand dringt. Bei Ihnen kommt der Klang anders an. Dabei spielen oft mehrere Dinge eine Rolle:
Körperschall. Ein Klavier, Schlagzeug oder Verstärker auf dem Boden oder an der Wand überträgt Schwingungen in das Gebäude. Deshalb hört man das Klavierpedal oder die Basstrommel manchmal mehr als die Musik selbst.
Wiederholung. Üben heißt, dieselbe Passage zehnmal zu spielen. Gerade dieses feste Muster lässt sich schwer ausblenden.
Die Art des Instruments. Schlagzeug, Blechbläser und ein Gitarrenverstärker tragen viel weiter als etwa eine Akustikgitarre oder leiser Gesang.
Die Uhrzeit. Wer tagsüber arbeitet oder lernt, übt oft abends, genau dann, wenn Sie sich erholen oder schlafen möchten.
Das Gebäude. In Mehrfamilien- und Reihenhäusern mit dünnen Trennwänden oder Holzdecken überträgt sich Schall leicht.
Sprechen Sie es freundlich an
Ihr Nachbar ahnt oft nicht, wie es bei Ihnen klingt. Beginnen Sie deshalb mit Wertschätzung für das Hobby und sagen Sie konkret, was Sie bemerken, ohne das Spiel zu bewerten:
„Ich finde es schön, dass Sie Schlagzeug spielen, aber abends nach 21 Uhr hören wir es in unserem Schlafzimmer deutlich. Könnten wir gemeinsam schauen, welche Zeiten für uns beide passen?“
Sie können auch vorschlagen, dass jemand aus dem Haushalt Ihrer Nachbarn einmal bei Ihnen zuhört, während gespielt wird. Das macht oft mehr deutlich als eine lange Erklärung.
Was Sie vereinbaren können
Ein völliges Übungsverbot ist selten angemessen, aber meist ist viel möglich:
Feste Übungszeiten. Etwa nicht nach 20 oder 21 Uhr, nicht während der Mittagsruhe und eventuell eine Höchstdauer pro Tag. Dann wissen alle, woran sie sind.
Ein anderer Platz. Das Instrument nicht an der gemeinsamen Wand, am besten in einem Raum, der nicht neben Ihrem Schlafzimmer liegt.
Dämpfung. Dämpfer oder ein dicker Teppich unter Klavier oder Schlagzeug, ein Podest für das Schlagzeug oder ein Dämpfer für Blechblasinstrumente.
Leise üben. Übungspads, ein E-Drum-Set, ein Silent-System im Klavier, ein Digitalpiano oder ein Verstärker mit Kopfhörerausgang.
Fenster zu. Beim Üben hilft das vor allem gegenüber Nachbarn im Garten oder gegenüber.
Beginnen Sie mit ein oder zwei kleinen Änderungen und vereinbaren Sie einen Termin, um gemeinsam zu prüfen, ob es funktioniert.
Gibt es Regeln für das Musizieren zu Hause?
Häusliches Musizieren einschließlich Üben gehört nach dem Bundesgerichtshof zu den üblichen Formen der Freizeitbeschäftigung und ist in gewissen Grenzen hinzunehmen. Ein vollständiges Verbot kommt danach in der Regel nicht in Betracht. Wesentliche Beeinträchtigungen müssen Nachbarn aber nicht dulden (§ 906 BGB). Hausordnung, Mietvertrag und örtliche Vorschriften enthalten häufig Ruhezeiten, etwa mittags und nachts. Entscheidend bleibt immer der Einzelfall. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.
Führen Sie ein Protokoll
Stört das Üben weiter, führen Sie einige Wochen lang ein Lärmprotokoll. Notieren Sie Datum, Beginn und Ende, welches Instrument Sie hören, in welchem Raum und die Folge für Sie, etwa nicht arbeiten oder schlafen zu können. Halten Sie auch ruhige Tage fest und ob eine Absprache geholfen hat. So können Sie später genau zeigen, wann es auftritt.
Aus der Praxis
Bekannt ist der Fall eines Trompeters, der in seinem Reihenhaus übte und dort auch Unterricht gab. Der Bundesgerichtshof entschied am 26. Oktober 2018 (V ZR 143/17), dass Musizieren im eigenen Haus nicht zu streng eingeschränkt werden darf. Als groben Richtwert nannte das Gericht zwei bis drei Stunden an Werktagen und ein bis zwei Stunden an Sonn- und Feiertagen, unter Einhaltung der üblichen Ruhezeiten. Zugleich kann es geboten sein, eher in einem Nebenraum zu üben, der die Nachbarn weniger stört (Bericht auf LTO). Das zeigt, wie viel feste Zeiten und ein guter Übungsort bewirken können.
Wenn Sie sich nicht einigen
Schreiben Sie einen zweiten, klaren Brief. Beziehen Sie sich auf Ihr früheres Gespräch und nennen Sie einige Beispiele aus Ihrem Protokoll.
Schiedsamt oder Mediation. Eine neutrale Schiedsperson hilft Ihnen, gemeinsam Übungszeiten zu vereinbaren.
Wohnen Sie zur Miete oder in einer Eigentumswohnung? Dann können Vermieter, Hausverwaltung oder die Wohnungseigentümergemeinschaft helfen, etwa mit einem Hinweis auf die Hausordnung.
Hilfe bei der ersten Nachricht
Mit dem CalmNotes-Paket zum Üben auf einem Musikinstrument erhalten Sie bearbeitbare Musternachrichten, um das Üben ruhig anzusprechen, Folgenachrichten, falls sich nichts ändert, und ein Protokoll für Lärmzeiten. Weitere Tipps und Beispiele finden Sie auf unserer Seite zum Üben auf einem Musikinstrument.
Wählen Sie einen passenden nächsten Schritt
Kostenloses Protokoll — Halten Sie Ereignisse, Kontakte und Absprachen fest.
Unterlagen und Hilfsanfrage vorbereiten — Ordnen Sie Ihre Informationen und bereiten Sie eine Hilfsanfrage vor.
Passende Unterstützung finden — Erfahren Sie, wer Ihnen in Ihrer Situation helfen kann.



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