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Fernseher oder Gaming der Nachbarn zu laut: Was können Sie tun?

11. Okt.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Es ist halb zwölf, Sie liegen im Bett, und durch die Wand hören Sie einen Actionfilm, eine hitzige Gaming-Runde oder jemanden, der über Lautsprecher telefoniert. Manchmal verstehen Sie sogar einzelne Worte. Fernsehton und laute Stimmen gehören zu den häufigsten Ärgernissen in Mehrfamilienhäusern und Reihenhäusern. Meist ahnen die Nachbarn nicht, wie weit ihr Ton trägt. In diesem Artikel lesen Sie, warum Sie es so deutlich hören, welche Absprachen helfen und wie Sie es freundlich ansprechen.

Gemütliches Wohnzimmer am Abend mit laufendem Fernseher

Warum man Fernseher und Stimmen so gut hört

Stimmen und Fernsehton gelangen vor allem über die Luft zu Ihnen. Sie finden ihren Weg durch dünne Trennwände, Decken, Lüftungsöffnungen und offene Fenster. Gerade die mittleren Frequenzen der Sprache sind gut verständlich, sodass Sie nicht nur Geräusche, sondern Worte hören. Davon kann man sich schwerer abschirmen als von einem leisen, gleichmäßigen Brummen.

Häufige Situationen sind:

  • Fernseher oder Soundbar an der gemeinsamen Wand. Der Schall geht dann direkt in die Wand, besonders mit Soundbar oder Subwoofer.

  • Gaming mit Headset. Wer ein Headset trägt, hört die eigene Stimme weniger und spricht unwillkürlich lauter. Im Eifer des Spiels wird auch mal gerufen.

  • Telefonate über Lautsprecher. Beide Seiten des Gesprächs sind zu hören, oft lauter als nötig.

  • Späte Gespräche auf Balkon oder Terrasse. An Sommerabenden stehen die Fenster offen, und Stimmen tragen weit, vor allem wenn sonst alles still ist.

  • Späte Filme und Serien. Actionszenen haben große Lautstärkesprünge: leise Dialoge, laute Explosionen.

Sprechen Sie es freundlich an

Gehen Sie davon aus, dass Ihre Nachbarn es nicht wissen. In ihrem eigenen Zimmer klingt es nach einem ganz normalen Abend. Sagen Sie konkret, was Sie hören, wann und was es für Sie bedeutet:

"Wenn Sie abends spielen oder fernsehen, kann ich in unserem Schlafzimmer manchmal die Worte verstehen, vor allem nach 23 Uhr. Ich weiß nicht, ob Sie das merken. Könnten wir gemeinsam schauen, ob sich etwas machen lässt?"

Sie können auch anbieten, dass die Nachbarn einmal bei Ihnen zuhören. Viele sind überrascht, wie deutlich ihre Stimme ankommt, und eine Absprache ist dann schnell getroffen.

Was können Sie vorschlagen oder vereinbaren?

Bitten Sie nicht gleich um völlige Stille, sondern um etwas Kleines und Machbares:

  • Eine feste Uhrzeit. Zum Beispiel unter der Woche ab 22:30 Uhr Zimmerlautstärke.

  • Ein anderer Platz für den Fernseher. Einige Meter Abstand zur gemeinsamen Wand machen oft viel aus.

  • Nachtmodus oder Untertitel. Viele Fernseher und Soundbars haben einen Nachtmodus, der laute Spitzen dämpft.

  • Kopfhörer für den späten Film. Kabellose Kopfhörer sind heute günstig und bequem.

  • Beim Gaming bewusst leiser sprechen. Oder Push-to-Talk nutzen, damit das Mikrofon nicht ständig offen ist.

  • Gespräche draußen rechtzeitig nach drinnen verlegen. Zum Beispiel ab 22 Uhr drinnen weiterreden, Fenster zu.

Vereinbaren Sie auch einen Termin, um gemeinsam zu prüfen, ob es hilft. So können Sie später entspannt noch einmal auf die Absprache zurückkommen.

Gibt es Regeln für Fernsehton und Stimmen?

Fernsehen, Spielen und Gespräche gehören zur normalen Wohnnutzung. Eine feste Dezibelgrenze für den Fernseher gibt es nicht. Erhebliche Störungen müssen Nachbarn aber nicht hinnehmen (§ 906 BGB). Die meisten Landesgesetze, Mietverträge und Hausordnungen sehen eine Nachtruhe vor, meist von 22 bis 6 oder 7 Uhr; in dieser Zeit wird in der Regel Zimmerlautstärke erwartet. Unzulässiger Lärm kann außerdem eine Ordnungswidrigkeit sein (§ 117 OWiG). Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.

Führen Sie ein Protokoll

Bleibt es störend, führen Sie einige Wochen lang ein Protokoll. Notieren Sie Datum, Beginn und Ende, in welchem Raum Sie es gehört haben, was Sie gehört haben (Fernseher, Gaming, Telefonat, Stimmen draußen) und ob Sie Worte verstehen konnten. Schreiben Sie auch auf, was es für Sie bedeutet hat, etwa dass Sie nicht einschlafen konnten. Notieren Sie auch ruhige Abende: So sehen Sie, ob eine Absprache wirkt.

Aus der Praxis

Nachbarschaftslärm betrifft sehr viele Menschen. Nach repräsentativen Umfragen des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2024 fühlen sich rund 58 Prozent der Befragten durch Lärm aus der Nachbarschaft gestört. Als typisches Beispiel nennt das Amt laut eingestellte Fernseher (Quelle: Umweltbundesamt). Ein frühes, ruhiges Gespräch verhindert oft, dass aus einem kleinen Ärgernis ein Streit wird.

Wenn Sie sich nicht einigen

  • Schreiben Sie eine zweite, klare Nachricht. Verweisen Sie auf Ihre erste Nachricht und nennen Sie einige Beispiele aus Ihrem Protokoll.

  • Wenden Sie sich an ein Schiedsamt oder eine Schlichtungsstelle. Eine neutrale Stelle hilft, gemeinsam zu einer Lösung zu kommen.

  • Wohnen Sie zur Miete oder in einer Eigentümergemeinschaft? Dann können Vermieter oder Hausverwaltung eine Rolle spielen.

  • Anhaltende, erhebliche Ruhestörung? Dann ist das Ordnungsamt zuständig, nachts auch die Polizei; bei unmittelbarer Gefahr wählen Sie 110.

Hilfe bei der ersten Nachricht

Mit dem CalmNotes-Paket zu Fernseher, Gaming und lauten Stimmen erhalten Sie bearbeitbare Musternachrichten, um das Thema ruhig anzusprechen, Folgenachrichten, falls sich nichts ändert, und ein Protokoll, um die Störungen festzuhalten. Weitere Beispiele und Tipps finden Sie auf unserer Seite Fernseher, Gaming und Stimmen.

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